Monthly Archives: August 2014

Rassistischen Vorfälle und Übergriffe werden verschwiegen

“Übergriffe, wie es sie kurz nach der Wende vereinzelt gab, sind zum Glück Geschichte[…]”

Der letzte rassistische Übergriff auf Geflüchtete fand vor wenigen Wochen in Halberstadt statt. Anstatt über die menschenunwürdigen Zustände in der 7 Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen “Anlaufsteller für Asylbewerber” zu berichten, blendet Autor Uwe Kraus die staatlichen Schikanen, denen die geflohenen Menschen ausgesetzt sind, völlig aus. Auch die rassistischen Vorfälle und Übergriffe werden verschwiegen.

Gegen den staatlichen und alltäglichen Rassismus!

MZ: „Zentrale Anlaufstelle in Halberstadt Kriege sorgen für Flüchtlings-Ansturm“

Besichtigung des Stollensystems in den Thekenbergen in Halberstadt

Am kommenden Wochenende (30./31. August) wird der Stollenabschnitt in den Thekenbergen bei Halberstadt von 14 bis 17 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt ist kostenlos. Er ist Teil der Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge. Über 7000 Gefangene wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen von den Nationalsozialisten gezwungen, das Stollensystem zu schaffen, weil die Rüstungsproduktion unter Tage verlegt werden sollte.
Mehr Infos zum Stollen:
http://www.spiegel.de/einestages/vergessene-orte-a-946505.html

Doku: Hass auf der Haut

“Rechts­ex­tre­mist. Ras­sis­ti­sche Tä­to­wie­run­gen im Ge­sicht, am Hals und auf den Hän­den er­in­ner­ten den heu­ti­gen Fa­mi­li­en­va­ter auch nach sei­nem Aus­stieg an sein da­ma­li­ges Ich. Um von die­sen Tat­toos und von der rech­ten Szene end­gül­tig er­löst zu wer­den, ließ Bryon 25 La­ser­be­hand­lun­gen über sich er­ge­hen. Die preis­ge­krön­te Do­ku­men­ta­ti­on ge­währt Ein­bli­cke in die ame­ri­ka­ni­sche Neo­na­zi-Sze­ne und zeigt Bryons äu­ße­re und in­ne­re Ver­wand­lung.”

http://www.n24.de/n24/Mediathek/Dokumentationen/d/5065984/hass-auf-der-haut.html

Kommentar zur “Skinheadparty” 2014 in Nienhagen – Das, was bleibt

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Die Bürgerinitiative Nienhagen Rechtsrockfrei wurde vor wenigen Wochen in Berlin vom bundesweiten Bündnis für Demokratie und Toleranz mit 5.000 Euro als “Botschafter für Demokratie und Toleranz” ausgezeichnet. Die “Skinheadparty”, wie Honour&Pride-Kader Oliver Malina das alljährlich stattfindende Neonazikonzert nennt, zog am 28. Juni wieder geschätzte 1.300 Hohlköpfe in das Dorf in der Nähe von Halberstadt. Auch Protest regte sich. Innenminister Stahlknecht (CDU) ließ sich blicken, es gab Kinderschminken und andere Unterhaltung. Das Neonazikonzert jedoch konnte ungestört stattfinden, dafür sorgte die massenhaft aufgefahrene Polizei.

Einen Monat zuvor waren Antifaschist_innen zu einer Kundgebung gegen die Nazikonzerte nach Nienhagen gekommen. Veranstalter Malina, welcher selbst im Dorf wohnt, verlor die Kontrolle über sich und versuchte die Demonstrant_innen körperlich anzugreifen, was zum Teil auf einem Video festgehalten werden konnte. Das Lokalblatt Volksstimme veröffentlichte daraufhin eine realitätsferne Darstellung, wonach ein schwarz gekleideter, vermummter Krawallhaufen in das Dorf eingefallen wäre, eine Gegendarstellung wurde nicht abgedruckt. Autor Christian Besecke war wenige Minuten nach dem Vorfall vor Ort und versorgte sich bei Malinas Freunden und Verwandtschaft mit mit (Falsch)Informationen, um später gegen die Protestierenden wettern zu können. Auch der Kopf der Initiative Nienhagen Rechtsrockfrei Hans-Christian Anders äußerte sich im Artikel zur antifaschistischen Kundgebung: “Diese haben nichts mit der Sache zu tun und sind im höchsten Maße kontraproduktiv.”


Wieso verurteilt er die offensichtlich sehr wirksame Aktion öffentlich und was sind die Gründe dafür? Könnte effektiver Protest, der natürlich nicht jedem passt, das Image der Bürgerinitiative beschädigen? Geht es überhaupt darum, den Nazikonzerten, welche sich fälschlicherweise unter dem Skinhead-Deckmantel zusammentun, auf kurz oder lang ein Ende zu setzen? Malina drohte Anders an, dass sein Haus in Flammen stehen würde, wenn es weitere Proteste dieser Art gibt. Kann Anders angesichts dieser Bedrohung vielleicht gar nicht effektiv gegen Malina vorgehen?


Wie dem auch sei – es zeigt sich mehr und mehr, dass auf Behörden, Parlamentarier und sonstige Akteure, die sich imagefördernd jedes Jahr am Frühlingsende gegen die Nazikonzerte verbal positionieren, schon lange kein Verlass sein kann. Nämlich kein Verlass, wenn es darum geht, dem Nazispektakel ein Ende zu setzen. Hunderte Faschisten aus der Harz-Region zieht es dorthin, die Binnenwirkung für die Szene ist nicht zu unterschätzen.