Ausstellung „Back to Rojava“ in Halberstadt

Am vergangenen Samstag wurde in den Räumen der Zora in Halberstadt die Fotoausstellung „Back to Rojava“ eröffnet. Die Bilder zeigen die Zerstörung, aber auch den Aufbruch in Rojava (Westkurdistan, Gebiet im Norden Syriens).

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Ein Vertreter von Medico International erläuterte vor circa zwei Dutzend Interessierten die Entwicklung der sich selbst verwaltenden Gemeinden in Rojava. Die Kurd*innen organisieren sich in einer Föderation selbstverwalteter Gemeinden und versuchen so, die Demokratisierung in den Staaten, über die sich Kurdistan erstreckt, „von unten“ zu entwickeln. Mit dem „arabischen Frühling” 2011 und dem Krieg in Syrien schaffte es die „Partei der Demokratischen Union“ mit ihren bewaffneten Kräften erstmals, in den drei Kantonen Rojavas die Kontrolle zu übernehmen. Vielen dürfte noch der Angriff von Daesh (auch „islamischer Staat“ genannt) auf die Gebiete in Rojava bekannt sein, wo der Krieg lange um die Stadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze andauerte. Letztendlich konnte die YPG (Kampfeinheiten der PYD) zusammen mit Teilen der Freien Syrischen Armee und assyrischen Milizen den Angriff im Februar 2015 zurückschlagen.
Der Referent beschrieb auch, dass während und nach dem Angriff auf Rojava die Weiterentwicklung der Demokratisierung erstmal vor dem Wiederaufbau in den stark zerstörten und von Armut geprägten Gebieten hinten anstehen muss. Die Posten demokratisch gewählter Vertreter*innen wurden durch Kämpfer ersetzt und das Hauptaugenmerk liegt zur Zeit auf dem Aufbau der grundlegenden Infrastruktur und der Nothilfe. Auch andere Probleme wie beispielsweise der Führerkult um PKK-Kopf Öcalan und Uneinigkeit in der strategischen Ausrichtung innerhalb der kurdischen Bewegung wurden thematisiert. Zum Schluss gab der Medico-Vertreter auch eine Einschätzung zur aktuellen Entwicklung in der Türkei, zum vereitelten Putsch am vergangenen Freitag und zu Erdogans Krieg gegen die Kurden in der Südtürkei.

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Die Ausstellung kann in den nächsten Wochen während der Öffnungszeiten der Zora angesehen werden.